Ende 60-er Jahre – Zeit der Rebellen

Für die Kriegsgeneration bedeutete die Veränderungen in Musik, Mode, Literatur und Kunst einen regelrechten Kulturschock. 1965 spielten die Rolling Stones zum ersten Mal in Deutschland, die Beatles folgten ein Jahr später und lösten eine nie dagewesene Begeisterung bei der jungen Generation aus. 1966 hatte Bob Dylan mit seinem legendären Auftritt in Manchester und dem Song „Like a Rolling Stone“ großen Erfolg, der international viel Beachtung fand. Den Älteren blieb diese Musik unverständlich.

Die 1960er-Jahre waren die Zeit eines tiefgreifenden Wandels, der sich mit großer Dynamik in Gesellschaft, Politik und Kultur vollzog. Triebfeder der Entwicklungen war die Studentenbewegung, die ausgehend von den Metropolen eine neue Zeit einläutete. Der Muff der Adenauer-Ära wurde weggefegt. Es herrschte Aufbruchsstimmung.

Musik

Literatur

Auch die Literatur wandelte sich. Alte Stilformen wie Kurzgeschichten und Lyrik wurden abgelöst vom Dokumentarismus. Peter Weiss verarbeitete den in den Jahren 1963-1965 in Frankfurt stattfindenden Ausschwitz-Prozess in seinem Drama „Die Ermittlung“.
Schriftsteller wie Martin Walser, Günter Grass und Heinrich Böll prägten mit Romanen wie der „Blechtrommel“, „Katz und Maus“ und „Ansichten eines Clowns“ die Literaturgeschichte einer Generation. Werke von Samuel Beckett, Hans-Magnus Enzensberger, Günter Grass, Jean Paul Sartre und Theodor Adorno waren für die 68er-Generation prägend.

In der Bildenden Kunst waren die 1960er-Jahre die Zeit der Auflösung althergebrachter Präsentationsformen. Die klassischen Ausstellungsorte und Ausstellungsformen wurden in Frage gestellt: Gerhard Richter und Konrad Lueg stellten in Möbelhäusern aus, Joseph Beuys erklärte in der Düsseldorfer Galerie Schmela „dem toten Hasen die Bilder“, die Wiener Aktionisten schockierten das Publikum mit ihren gewalttätigen und blutreichen Aktionen.
Den Künstlern ging es darum die Trennung von Kunst und Leben, von Hochkultur und Alltagswelt zu überwinden. Robert Rauschenberg integrierte in seinen „Combine Paintings“ Alltagsgegenstände in seine Gemälde; der Fluxus-Künstler Daniel Spoerri fixierte gebrauchte Teller, Gläser und allerlei Reste eines ausgiebigen Mahls auf dem Tisch und hing diesen als Tafelbild senkrecht an die Wand.
In dieselbe Stoßrichtung zielte auch die Pop-Art. In den USA waren in den 1950ern und 1960ern Bilder aus der kommerziellen Warenwelt von Campbell-Suppendosen und Coca-Cola-Flaschen allgegenwärtig geworden. Die Pop-Art Künstler erhoben diese Motive aus der Alltagskultur in ihren Kunstwerken in den Rang der hohen Kunst. Andy Warhol und Roy Liechtenstein schufen Werke, die heute fester Bestandteil der Kunstgeschichte sind und zu den teuersten Bildern überhaupt gehören. Aber die Pop-Art-Bewegung war mehr, sie war der Inbegriff eines neuen Lebensstils, der sich von den restaurativen Tendenzen der Nachkriegszeit lossagte. Sie war die Kunst einer Generation, die von der englischen und amerikanischen Beatmusik begeistert war und sich als außerparlamentarische Opposition gegen die Politik der Kriegsgeneration stellte. Pop-Art Künstler aus Deutschland, wie Sigmar Polke, verstanden ihre Version der Pop-Art als kritischen Blick auf den amerikanischen Kommerz, der für sie Ausdruck von blindem Konsum, Kapitalismus und kultureller Überheblichkeit war.

Kunst

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