Sigmar Polke

Sigmar Polke ist heute der Liebling des internationalen Kunstpublikums beim Kauf zeitgenössischer deutscher Kunst. Seine Bilder kosten inzwischen Millionensummen. Gleichzeitig ist er der Künstler, der sich kaum für den Kunstbetrieb interessierte.

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Während Zeitgenossen wie Andy Warhol ein Meister der Selbstvermarktung war oder Gerhard Richter schon zu Lebzeiten sein Gesamtwerk kunstmarktfreundlich dokumentiert, ist Sigmar Polke einfach mal nicht zu Hause, wenn die Co-Direktorin des wichtigsten Museums der Welt vor der Tür steht: „Als ich das erste Mal mit meinem Kollegen vor seinem Atelier stand, war er nicht da. Wir gingen einen Kaffee trinken, kamen zurück – er war nicht da. Wir tranken noch einen Kaffee – danach stand eine Kekspackung im Fenster“, berichtet die Co-Direktorin des New Yorker Museum of Modern Art.

Polke hatte die 1960er-Jahre als Beuys-Schüler in Düsseldorf verbracht und war an so mancher der berühmten Aktionen der Fluxus-Gruppe beteiligt. Anfang der 1970er-Jahre mietete er einen Bauernhof bei Willich, einem Ort zwischen Düsseldorf und Krefeld. Hier entstand die legendäre Kommune, in der Künstler wie Martin Kippenberger, Candida Höfer, Dan Flavin, Gilbert & George und Julian Schnabel ein und aus gingen. Der Gaspelhof war als antibürgerliche Kommune der Gegenentwurf zur Lebenswelt der Adenauer-Ära. Hier inszenierte sich Polke gegenüber der Kunstkritik und seinen Galeristen als Gammler, der zu faul zum Malen war und lieber Fliegen und Motten für sich malen ließ. Als die Kunstkritikerin Barbara Reise für einen Katalogtext – immerhin ein sehr wichtiger Text zu Polkes erster Einzelausstellung in einem Museum überhaupt – nach Willich reiste, fand sie nicht Sigmar Polke, sondern ebendiesen faulen „Heinrich Dieter Fliegenfänger“ vor. Mit ihrer darauffolgenden, vernichtenden Kritik, Polke würde dem Druck des Marktes und des internationalen Ausstellungsbetriebes nicht standhalten, sollte sich Frau Reise jedoch gewaltig irren.

Kunstakademie

Denn die 1960er waren auch das Jahrzehnt von Sigmar Polkes öffentlichem Durchbruch. In einem ehemaligen Düsseldorfer Metzgerladen zeigte er 1963 zusammen mit Gerhard Richter und Konrad Lueg zum ersten Mal der Öffentlichkeit seine Bilder. Keine Galerie war damals bereit ihre Bilder zu zeigen. Unvorstellbar, dass diese drei Studenten später einmal eine derartige Laufbahn hinlegen sollten: Gerhard Richter und Sigmar Polke als Maler von Gemälden, die zu den gesuchtesten und teuersten weltweit gehören und Konrad Lueg unter seinem bürgerlichen Namen Konrad Fischer als einer der erfolgreichsten deutschen Galeristen. Polke kultivierte im Laufe dieses Jahrzehnts seine künstlerischen Strategien gegen spießiges Kleinbürgertum und geniales Künstlertum. Mit 28 Jahren malte er sein bekanntestes Gemälde aus jener Zeit „Höhere Wesen befahlen: Rechte obere Ecke schwarz malen!“ – eine Verspottung des Künstler-Genius und dessen Betrachters in bester Dada-Manier. Am Ende des Jahrzehnts erreichte Polke mit der Teilnahme an der Documenta 1972 und seiner ersten Retrospektive in der Tübinger Kunsthalle 1976 große Erfolge, die nur wenigen Künstlern zuteilwerden.

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